Aufhebung des Naturschutzgebietes „Die Reusch von Werschau“ :: BürgerInitiative reicht Petition beim Hessischen Landtag ein ! Unterstützung wird erbeten!

Aufhebung des Naturschutzgebietes „Die Reusch von Werschau“ :: BürgerInitiative reicht Petition beim Hessischen Landtag ein ! Unterstützung wird erbeten!

Weiterhin ist es vordergründig ruhig um die Erweiterung des Kieswerks Werschau. Nachdem die Gemeinde bereits im Frühjahr diesen Jahres zu einer Stellungnahme zur Kieswerkserweiterung aufgefordert wurde, ist die Öffentlichkeit bislang immer noch nicht am Verfahren beteiligt worden. Besonders auf diesen entscheidenden Schritt hat sich die Bürgerinitiative mit einer Vielzahl an Argumenten vorbereitet.

Mut macht ein Beispiel in Norddeutschland, wo gerade ein Kiesabbau am Widerstand der Grundbesitzer scheitert  à mehr Details siehe hier: http://www.kreiszeitung-wochenblatt.de/rosengarten/politik/kiesabbau-ist-nicht-erzwingbar-d49563.html. Auch in der Erweiterungsfläche des Werschauer Kieswerks besitzen viele Ortsansässige Grundstücke und haben bekundet, diese nicht dem Kiesabbau zur Verfügung stellen zu wollen.

Doch das Verfahren ruht deshalb noch lange nicht: im Herbst wurde bekannt, dass im Rahmen des Verfahrens der Status des Naturschutzgebietes Reusch aufgehoben worden ist. Damit ist klammheimlich ein weiterer Schritt in Richtung einer möglichen Erweiterung gefallen, ohne dass eine Beteiligung der Öffentlichkeit oder der Gemeinde Brechen möglich gewesen wäre.

Gegen diese Verwaltungsentscheidung setzt sich die Bürgerinitiative nun mit einer Petition zur Wehr, die sie bereits beim Hessischen Landtag eingereicht hat und ruft alle Bürger auf, diese Petition zu unterstützen. Dies ist einfach möglich unter  https://www.openpetition.de/petition/online/die-reusch-darf-nicht-dem-kiesabbau-zum-opfer-fallen-keine-aufhebung-des-naturschutzgebietes. Damit  können auch Sie zum Ausdruck bringen, dass die Brecher sich ihre lebenswerte Umgebung nicht widerstandslos wegbaggern lassen!

Anbei der vollständige Text der Petition:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Im Rahmen eines durch die Firma „Kieswerk Werschau GmbH & Co KG“ per Antrag vom Frühjahr 2016 angestrengten bergrechtlichen Verfahrens zur Ausweitung des Abbaus von Quarzkies wurde das per Verordnung vom 21.7.1983 geschaffene Naturschutzgebiet „Die Reusch von Werschau“  mit Verordnung vom 13.7.2016 durch das Regierungspräsidium Gießen aufgehoben.  Der Grundlage dieser Entscheidung widerspreche ich.

Da zu der Entscheidung keine Öffentlichkeitsbeteiligung stattgefunden hat, lediglich Grundbesitzer wurden vorab über den Antrag informiert, bleibt als einziger Ausweg für die betroffenen Bürger das Einreichen einer Petition nach Art 16 der Hessischen Verfassung.

Das genannte bergrechtliche Verfahren bezieht sich auf die Ausweitung des bestehenden Kiesabbaus der Kieswerk Werschau GmbH & Co KG um ein sog. Nordfeld,  im Wesentlichen angrenzend an das heutige Naturschutzgebiet und ein sog. Südfeld in ca. 3 km Entfernung vom Naturschutzgebiet, in unmittelbarer Nähe zur Ortslage in Werschau. Das Verfahren ist aktuell noch laufend, eine Öffentlichkeitsbeteiligung hat bislang ebenfalls noch nicht stattgefunden. Daher sind die zugehörigen vollständigen Antragsunterlagen auch noch nicht bekannt. Im Rahmen dieses Verfahrens wurde eine Befreiung gem. §67 Abs.1 BNatSchG von den Verboten der Verordnung über das NSG Die Reusch von Werschau“ beantragt.  Aus den im Zusammenhang mit der Aufhebung des Naturschutzstatus den Grundstückseigentümern zugegangenen Informationen zur Ausweitung des Kiesabbaus sowie der bislang stattgefundenen Öffentlichkeitsinformation wird ersichtlich, dass die beanspruchte Fläche künftig im Wesentlichen für einen Absetzteich im Rahmen des Abbaus im ca. 3km entfernten Südfeld genutzt werden soll. Da die Fläche aus einem ehemaligen Kiesabbau stammt ist sie bereits ausgekiest und kann nicht mehr der Rohstoffsicherung dienen.

Für die Aufhebung eines bestehenden Naturschutzgebietes gem. §67 Abs.1 BNatSchG bedarf es besonderer  Anforderungen.  Besondere Anforderungen ergeben sich dabei zunächst insbesondere an die Alternativenprüfung.  Diese wird im vorliegenden Auszug aus den Antragsunterlagen zwar erwähnt, aber nicht weiter ausgeführt.  Aus den bislang bekannten Informationen sowie der Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten wird nicht zwingend transparent, inwiefern eine Aufhebung des Naturschutzgebietes unvermeidlich ist. Dies wäre jedoch eine Grundvoraussetzung für eine Aufhebung.

  • Selbst bei Durchführung der Erweiterung des Kieswerks ist in Frage zu stellen, warum es keinerlei Alternativen zur Anlage eines Teiches ausgerechnet im Bereich des Naturschutzgebietes geben soll. Aus früheren Phasen des Kiesabbaus stehen noch ausreichend viele Flächen zur Verfügung, die bislang entweder noch überhaupt nicht renaturiert worden sind bzw. aktuell landwirtschaftlich genutzt werden; somit zum heutigen Zeitpunkt ein geringeres Artenreichtum aufweisen als die Flächen des aktuellen Naturschutzgebietes.
  • Darüber hinaus ist das gesamte Anliegen der Ausweitung des Kiesabbaus in Zusammenhang mit der dazu notwendigen Aufhebung des Naturschutzgebietes in Frage zu stellen. So existiert in der Gemeinde Brechen ein weiterer Kiesabbau, mit dem das Ziel der regionalen Rohstoffsicherung grundsätzlich erfüllt ist auch ohne Rückgriff auf ein Naturschutzgebiet.

In der vorliegenden Begründung wird damit argumentiert, dass in ferner Zukunft, nach Beendigung des Kiesabbaus, ein besseres, den ursprünglichen Zielen mehr entsprechendes Naturschutzgebiet als zum heutigen Tage entstehen wird. Diese Argumentation ist für die Aufhebung des bestehenden Naturschutzgebietes jedoch nicht stichhaltig insofern es weitere Alternativen gibt, die die Aufhebung und Zerstörung des Naturschutzgebietes vermeiden können. Auch im Antwortschreiben des RP an einen der Grundstücksbesitzer, der bereits auf die fehlende Alternativenprüfung hingewiesen hat, wird auf Details dieser Prüfung bzw. erfolgte Abwägungen nicht eingegangen. Es werden lediglich allgemeine Gründe des Kiesabbaus und die angebliche Unvermeidbarkeit der Aufhebung in Zusammenhang mit der beabsichtigten Genehmigung eines Kiesabbaus wiederholt. Diese Antwort ist aus oben genannten Gründen nicht nachvollziehbar und erscheint willkürlich.

Weiterhin fehlt zu der Entscheidung jegliche naturschutzbezogene unmittelbare Kompensation für die Aufhebung des Naturschutzgebietes. Auch diese sind aus meiner Sicht Grundvoraussetzung im Rahmen der Aufhebung eines Naturschutzgebietes. Mit der Aufhebung des Naturschutzgebietes gehen zum heutigen Zeitpunkt wertvolle, seit Jahren naturbelassene Flächen verloren. Neben der Bedeutung für Fauna und Flora ist auch der Bedeutung als Naherholungsgebiet Rechnung zu tragen. Gerade in der durch die BAB 3 und die ICE-Trasse Frankfurt-Köln sehr eingeschränkten Gemeinde Brechen ist das Naturschutzgebiet ein wichtiger Faktor für die Bevölkerung. Für diesen Entfall wird lediglich eine Kompensation in ferner Zukunft nach Beendigung des Kiesabbaus in Aussicht gestellt. Eine unmittelbare Kompensation erfolgt nicht. Auch aus dem Grund der fehlenden Kompensation ist die Rechtmäßigkeit der Entscheidung mithin anzuzweifeln.

Stattdessen wäre der Charakter des Gebietes, das aufgrund seiner jahrzehntelangen Entwicklung heute unberührte Natur ist, zu aktualisieren: hier hat sich ein schützenswerter Lebensraum entwickelt, der sich meines Erachtens für den Status als FFH-Gebiet qualifiziert.

Ich bitte Sie daher, die Aufhebung des Naturschutzgebietes nicht zuzulassen und das Regierungspräsidium Gießen aufzufordern, die erfolgte Aufhebungsverordnung vom 13.7.2016 zurückzunehmen.

© Achim Günzel · http://www.stop-kieswerk-werschau.de/

Anmerkung: Sehen Sie hierzu auch unseren Beitrag: https://brachinaimagepress.wordpress.com/2016/10/03/naturschutzstatus-fuer-werschauer-reusch-wurde-aufgehoben-dr-gunther-roth-zum-thema/

3 Responses to Aufhebung des Naturschutzgebietes „Die Reusch von Werschau“ :: BürgerInitiative reicht Petition beim Hessischen Landtag ein ! Unterstützung wird erbeten!

  1. Bettina Jung says:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Hiermit bitte ich Sie ausdrücklich, die Aufhebung des Naturschutzgebietes nicht zuzulassen.

    Mit freundlichen Grüßen

  2. Pingback: Werschau: Das Naturschutzgebiet „REUSCH“ muß bleiben – JETZT bitte die Online-Petition unterstützen | BrachinaImagePress.de by FOTO-EHRLICH.de

  3. Ein Entsetzter says:

    Weissagung der Cree: „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“ Allgemeinwohl vor Einzelprofit – mehr ist dazu nicht zu sagen, denn wir haben uns diese Erde nur von unseren Kindern geliehen und keine 2.mehr im Kofferraum.

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