Stadt Limburg: „Meilenstein in der Obdachlosenhilfe“

Stadt Limburg: „Meilenstein in der Obdachlosenhilfe“

„Auf dem Weg“, das war eine häufig zu hörende Bezeichnung an dem Abend im Kolpinghaus. „Obdachlosigkeit in Limburg“ lautete das Thema. Auf dem Weg zu Verbesserungen, zum Beispiel mit dem Limburger Modell, mit betreuender Sozialarbeit und neuen Wohnungen. Auf dem Weg aber auch, weil sich in der Stadt schon viel getan hat.

„Obdachlosigkeit ist meist unsichtbar“, stellte Harry Fenzl als Leiter des Walter-Adlhoch-Hauses klar. Die Einrichtung der Caritas widmet sich Personen, die kein Dach über dem Kopf haben. Es gibt unter ihnen einige, die im Bild der Stadt auffallen. Über wenige von ihnen ist in den vergangenen Wochen sehr viel berichtet worden. Fenzl ist nicht glücklich darüber, denn es werde pauschalisiert, der Respekt gegenüber den Betroffenen fehle dabei, schließlich gehe es um Menschen und deren Schicksal.

Obdachlosigkeit soll erst einmal verborgen werden, machte Fenzl deutlich. Es sei nichts, auf das die Betroffenen stolz seien. Zudem gebe es noch zahlreiche Vorurteile. Von diesen sprach auch der Erste Stadtrat Michael Stanke. Als er sein Amt als Erster Stadtrat angetreten habe, sei es zu einem Antrittsbesuch im Adlhoch-Haus gewesen und habe sich im Verlauf des sehr intensiven Gesprächs von zahlreichen Vorteilen verabschiedet, räumte er im großen Saal des Kolpingshauses ein.

Dorthin hatten Stadt und Walter-Adlhoch-Haus gemeinsam eingeladen. Und das Interesse war größer, als zunächst gedacht. „Es ist ein gutes Zeichen, wenn noch zusätzliche Stühle hereingetragen werden müssen“, zeigte sich Stanke erfreut, der unter den Gästen auch Vertreter der Kommunen und des Landkreises begrüßte. Wie Stanke erläuterte, hat die Stadt in den zurückliegenden Monaten zahlreiche Anstrengungen unternommen, um die Situation für Wohnungslose zu verbessern. Seit 1. April vergangenen Jahres betreut Jessica Magnus als Sozialarbeiterin die Betroffenen, neue Wohnungen wurden in der Rudolf-Schuy-Straße geschaffen.

Nach Angaben von Jessica Magnus, als Sozialarbeiterin dem Ordnungsamt zugeordnet, das formal wiederum für die Unterbringung von Wohnungslosen zuständig ist, sind von der Stadt derzeit 41 Personen in Notunterkünften und eine in einem Hotel unterbracht. Weitere Personen werden durch das Adlhoch-Haus betreut. Männer sind dabei in der Mehrheit.

Nach ihren Angaben gibt es vielfältige Ursachen für Wohnnotstand, so lassen sich Obdach- und Wohnungslosigkeit zusammenfassen: Mietschulden und daraus folgend Zwangsräumung, Geldmangel, Wohnortwechsel, Verlust der Arbeitsstelle, Scheidung und Trennung, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Suchtproblematik, psychische Störung, gravierende Gewalterfahrungen und mehr.

Das System der Hilfe besteht aus mehreren Institutionen. Sozialhilfeträger, Jobcenter und freie Träger wie die Caritas mit dem Adlhoch-Haus unterstützen und begleiten, das Ordnungsamt ist nach dem Gesetz für Unterbringung zuständig. Die Stadt Limburg geht dabei einen neuen Weg. Das Ordnungsamt ist mit in die Betreuung und Begleitung eingestiegen. Ein Modell, das in anderen Städten schon Interesse geweckt hat.

„Es geht immer um Menschen“, verdeutlichte Harry Fenzl. Das Limburger Modell bezeichnete er dabei als einen „Meilenstein in der Obdachlosenhilfe“, denn die Würde der Betroffenen werde dabei stärker in den Mittelpunkt gestellt, als dies bisher der Fall gewesen sei. Doch auch dies werde nicht dazu führen, alle Probleme zu lösen. Es brauche eine breitere gesellschaftliche Bereitschaft, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen, machte Fenzl deutlich.

Was das konkret heißt, wurde in der anschließenden Diskussion deutlich. Mehrfach wurde dabei der Wohnungsmarkt angesprochen. Einige der Zuhörer/innen kritisierten deutlich die Zurückhaltung auf allen politischen Ebenen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Das sei über Jahre wenn nicht seit Jahrzehnten verschlafen worden. Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, das wird auch in Limburg diskutiert, wie der Erste Stadtrat verdeutlichte. Er wies in diesem Zusammenhang den Vorwurf zurück, dass die Stadt im Sozialbereich seit Jahren die Ausgaben reduziere. Das Gegenteil sei der Fall, wie Stanke mit Hinweis auf Verbesserungen im Bereich der Obdachlosenhilfe oder im weiteren Ausbau von Kindertagesstätten verdeutlichte. Zudem stelle sich die Stadt der Aufgabe, Flüchtlinge aufzunehmen und ihnen eine neue Heimat zu geben. © Johannes Laubach / Stadt Limburg

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