Arbeit 4.0 verändert Arbeitsmarkt in Limburg-Weilburg · Wirtschaftsjunioren diskutieren mit Arbeitsagentur Folgen der Digitalisierung: 28.500 Arbeitsplätze könnten in Limburg-Weilburg betroffen sein

Arbeit 4.0 verändert Arbeitsmarkt in Limburg-Weilburg · Wirtschaftsjunioren diskutieren mit Arbeitsagentur Folgen der Digitalisierung: 28.500 Arbeitsplätze könnten in Limburg-Weilburg betroffen sein

Die Folgen der Digitalisierung auf den heimischen Arbeitsmarkt haben jetzt die Wirtschaftsjunioren Limburg-Weilburg-Diez mit der Leiterin der Arbeitsagentur, Angelika Berbuir, diskutiert. „Der Arbeitsmarkt rund um Limburg und Weilburg befindet sich derzeit in exzellenter Verfassung“, berichtete die Arbeitsmarkexpertin. In den letzten 17 Jahren seien mehr als 8.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstanden, gleichzeitig sei die Arbeitslosigkeit um mehr als 20 Prozent (1.116 Personen) gesunken. Dass inzwischen vor allem die über Fünfzigjährigen in besonderer Weise vom Arbeitsmarktaufschwung profitieren, sei ein deutlicher Hinweis dafür, dass es für Unternehmen zunehmend schwieriger werde, Fachkräfte zu gewinnen. Dies lasse sich auch an der stetig steigenden Laufzeit offener Stellen belegen. Aktuell dauere es im Durchschnitt 86 Tage, bis eine vakante Stelle wieder abgemeldet werde. Vor einem Jahr habe man bereits 17 Tage früher Vollzug melden können. Insofern erscheine die vierte industrielle Revolution, die auch unter den Begriffen Arbeit 4.0 oder Industrie 4.0 diskutiert werde, gewissermaßen als Lösung des Fachkräfteproblems. Berbuir wies allerdings eindringlich darauf hin, dass dies zu einschneidenden Veränderungen in der Arbeitswelt führen werde. So könnten vor allem Tätigkeiten digitalisiert werden, die kalkulierende, technische, kontrollierende und leicht zu standardisierende Inhalte aufweisen. Zu diesen Berufen zählte die Arbeitsmarktexpertin beispielsweise Buchhalter, Dolmetscher oder Kassierer. Weniger ersetzbar seien hingegen forschende, planende, beratende oder koordinierende Tätigkeitsfelder, wie bei Anwälten, Wissenschaftlern oder Ingenieuren. Berbuir unterstrich, dass zukünftig nicht ganze Berufe durch Computer oder computergesteuerte Tätigkeiten ersetzt werden, sondern nur spezifische Tätigkeitsinhalte.

 

28.500 Arbeitsplätze könnten in Limburg-Weilburg betroffen sein

Wie hoch das sogenannte Substituierungspotenzial eines Arbeitsplatzes sei, hänge vom Spektrum der auszuführenden Tätigkeiten ab. So liege bei den Fertigungsberufen schon heute der Anteil der digitalisiert werden könne, bei über siebzig Prozent – in sozialen Dienstleistungsberufen hingegen bei weniger als zehn Prozent. Die Agenturchefin verdeutlichte die möglichen Auswirkungen auf die Beschäftigung im Kreis Limburg-Weilburg an aktuellen Daten, die von der Bundesagentur für Arbeit erhoben wurden. Demnach weisen 6.700 Arbeitsplätze in der Region eine hohe Substituierbarkeit (über siebzig Prozent) aus. Weitere 21.800 Arbeitsplätze wird eine mittlere Betroffenheit (dreißig bis siebzig Prozent) attestiert. Insgesamt seien demnach knapp sechzig Prozent aller Arbeitsplätze im Landkreis Limburg-Weilburg zu einem erheblichen Anteil digitalisierbar. Anders, als häufig vermutet, seien es nicht in erster Linie Helfertätigkeiten, die ins Blickfeld der Digitalisierung gerieten: Von den genannten 28.500 Arbeitsplätzen, die eine mittlere oder hohe Betroffenheit aufweisen, seien 21.000 Stellen derzeit von Fachkräften besetzt. Berbuir hob hervor, dass dies nicht bedeute, dass diese Arbeitskräfte unmittelbar von Arbeitslosigkeit bedroht seien. Viel wahrscheinlicher sei, dass sich die Tätigkeitsinhalte in erheblicher Weise verändern werden. Für den Arbeitsmarkt bedeute dies, dass sich die Beschäftigungsbedarfe bei gering-, mittel- und hochqualifizierten Arbeitskräften deutlich verschieben werden. Arbeitnehmer seien gefordert, sich lebenslang weiterzubilden und sich stetig neuen Anforderungen zu stellen. Betriebe seien in der Verpflichtung, den erhöhten Aus- und Weiterbildungsbedarf zu begleiten und zu verantworten. Sie müssten vorausschauend Bildungsbedarfe identifizieren, seien aber häufig auch gezwungen, sich sehr schnell und flexibel auf Kundenwünsche und veränderte Prozesse bei den Zulieferern einzustellen.

 

Wirtschaftsjunioren nehmen Impulse für die Doppel-Landeskonferenz im Juni mit

Für die Wirtschaftsjunioren Limburg erklärte deren Präsident Stephan Schmidt, es sei ein Anliegen des Verbandes, sich stets mit der Weiterentwicklung des Arbeitsmarktes zu beschäftigen: „Für unsere Mitgliedern gehört die Fachkräftesicherung zu den größten Zukunftsaufgaben. Den Junioren die Möglichkeit zu geben, sich regelmäßig mit Fachleuten wie Frau Berbuir auszutauschen, ist uns daher besonders wichtig.“ Als Verband junger Unternehmer und Führungskräfte pflegen die Wirtschaftsjunioren gute Kontakte zu den Institutionen der heimischen Region. „Gemeinsam arbeiten wir schließlich daran, Limburg-Weilburg-Diez weiterzuentwickeln“, betonte Schmidt. Nicht zuletzt haben die Junioren aus dem Treffen mit Angelika Berbuir Impulse gezogen für ihre anstehende Doppel-Landeskonferenz Ende Juni in Limburg. Sie hat das Schwerpunktthema Digitalisierung und Industrie 4.0 und bietet auch der heimischen Wirtschaft eine Plattform, sich darüber auszutauschen.

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