Manchmal gibt es auch Applaus für die Feuerwehr · Uwe Zimmermann im Interview

Manchmal gibt es auch Applaus für die Feuerwehr · Uwe Zimmermann im Interview

15 Jahre war Uwe Zimmermann als Stadtbrandinspektor Chef der Einsatzabteilungen der Limburger Feuerwehren. Das ist ein Ehrenamt. Am Montag, 15. Mai, verabschiedete sich Zimmermann von diesem Ehrenamt. Der Stadt bleibt er als Mitarbeiter für den Brandschutz weiter erhalten. Und so ganz wird er sich aus der Feuerwehr noch nicht verabschieden. Ausbilder im Atemschutz wird er weiterhin bleiben. Zum Abschluss ein Gespräch mit dem scheidenden Stadtbrandinspektor.

Herr Zimmermann, ein Leben fast ohne Feuerwehr, geht das überhaupt?

Uwe Zimmermann: Mal ganz ehrlich, ich freue mich auf die Zeit ohne Melder. Seit vielen Jahren ist er ein ständiger Begleiter. Und oft genug hat er mich zu Einsätzen gerufen, wenn eigentlich etwas anderes angesagt war. Aber ich will die Zeit auch nicht missen.

Auf was kommt es an, was brauchen ein Mann oder eine Frau, die in der Feuerwehr aktiv sind?

Zimmermann: Es braucht natürlich eine grundsätzliche Bereitschaft, sich in der Feuerwehr zu engagieren. Der Dienst in der Feuerwehr ist immer ein Einsatz für andere, egal ob bei einem Brand, Unfällen oder anderen Einsätzen. Das lässt sich auf Dauer nicht machen, wenn die notwendige Grundeinstellung nicht vorhanden ist.

Das ist jetzt sehr grundsätzlich …
Zimmermann: … aber auch ein wichtiges Fundament. Das auch wichtiger wird, denn die Anforderungen an die Feuerwehr steigen. Das betrifft nicht nur die Ausbildung, die heute zu absolvieren ist, und die ständige Weiterbildung, ohne die Einsätze nicht mehr möglich sind. Also ich bin froh, dass ich das alles schon lange hinter mir habe. Hinzu kommt dann aber auch noch das gestiegene Anspruchsdenken der Bevölkerung. Die Frage nach einem Einsatz lautet dann auch: Hat die Feuerwehr etwas falsch gemacht?

Apropos Anspruchsdenken. Nennen Sie doch einmal ein Beispiel.

Zimmermann: Wenn um 23 Uhr zum Beispiel der Leitstelle über den Notruf ein brennender Kleidercontainer gemeldet wird. Eine ganze Mannschaft macht sich auf den Weg, kommt zur Feuerwache, besteigt das Fahrzeug, fährt zum Einsatzort … Und dann liegt neben dem Kleidercontainer eine kullschende Jacke. Zwei Mal draufgetreten – und der Fall wäre erledigt gewesen.

Was hat sich sonst noch geändert?

Zimmermann: Als ich 1975 in die Feuerwehr eintrat, da waren die Rahmenbedingungen noch ganz anders, das ist heute viel komplizierter geworden. Was wir an technischen Gerätschaften heute zur Verfügung haben, muss auch richtig eingesetzt werden. Und wenn wir heute ein brennendes Auto löschen, dann nur mit Atemschutz, da so viel Kunststoff mit verbrennt.

In der Vergangenheit haben wir auch viel durch und während der Einsätze gelernt. Heute setzen die Einsätze Fertigkeiten voraus, die vorhanden sein müssen. Was sich geändert hat, ist auch das Verhalten untereinander. Wir haben nach den Einsätzen früher viel mehr miteinander geredet. Dafür sind die Einsätze heute schon in den sozialen Medien verbreitet, da sind wir noch nicht zurück im Feuerwehrstützpunkt.

Und die Zahl der Einsätze selbst, die ist doch bestimmt gestiegen.

Zimmermann: Ganz im Gegenteil, die Einsatzzahlen sind deutlich zurückgegangen. Als ich 1992 als hauptamtlicher Gerätewart bei der Stadt anfing, hatten wir rund 400 Einsätze, heute kommen wir auf etwa 250 pro Jahr. Die Zahl der schweren Verkehrsunfälle ist deutlich zurückgegangen, zudem haben der vorbeugende Brandschutz, die in den Wohnungen installierten Rauchmelder und nicht zuletzt auch die Brandschutzerziehung bereits in den Kindergärten zu zurückgehenden Einsatzzahlen geführt.

Was bleibt in „den Klamotten“ zurück nach so vielen Jahren Feuerwehr?

Zimmermann: Natürlich die Einsätze mit schwer Verletzten oder Toten auf der Autobahn, der ICE-Strecke oder auch an und auf der Lahn. Und der Einsatz im August 2010, als in Dietkirchen eine ganze Familie und einer ihrer Helfer auf dem Bauernhof Opfer eines Brandes wurden, wird immer im Gedächtnis bleiben.

Gibt es auch Einsätze, die positiv im Gedächtnis bleiben?

Zimmermann: Die gibt es. Bei mir ist es vor allem ein Einsatz weit entfernt von der Lahn an der Elbe in Dresden. Das war 2002 beim Elbe-Hochwasser. Mit 51 Einsatzkräften und 16 Fahrzeugen aus dem Landkreis Limburg-Weilburg waren wir dort vier Tage im Einsatz. Das war dort wirklich dramatisch und mit Hochwasser bei uns nicht zu vergleichen. Da ist das Wasser der Elbe durch das Obergeschoss auf der einen Seite rein und auf der anderen Seite wieder rausgelaufen. Für mich war der Einsatz mit sehr positiven Erfahrungen mit der Berufsfeuerwehr verbunden, mit einer tollen Organisation und mit der Erkenntnis, dass jedes Fahrzeug einen bestimmten Platz braucht, damit es jederzeit zum Einsatz kann und keine anderen blockiert.

Und an welchen Einsatz erinnern sie sich besonders gern?

Zimmermann: Das war ein Einsatz mit viel Applaus am Ende. Ein kleiner Junge stand im Parkbad auf der Wasserrutsche in der Warteschlange. Dabei steckte er seinen Kopf durch das Treppengeländer. Als es mit der Warteschlange weiterging, bekam er seinen Kopf nicht mehr heraus. Je mehr er es versuchte sich zu befreien, desto mehr schwoll der kleine Kopf an. Wir rückten mit dem Rüstwagen an und schraubten vor großem Publikum das Geländer auseinander und befreiten somit den kleinen Jungen aus seinem „Gefängnis“. Für uns gab es viel Applaus von den Schwimmbadbesucher und ein wenig kamen wir uns wie Helden vor.

29 Jahre waren Sie Führungskraft der Feuerwehren in Limburg. Davon 15 Jahre als Stadtbrandinspektor. Wie geht Führung heute?

Zimmermann: Sicherlich nicht mit basta, Türen knallen und ähnlichem Gehabe. Unsere Leute sind alle freiwillig in der Feuerwehr und in den Einsatzabteilungen, das darf nicht vergessen werden. Es geht also auch darum, Verständnis zu zeigen, ein offenes Ohr zu haben und Vertrauen aufzubauen. Im Einsatz bin ich darauf angewiesen, dass sie das machen, was ich als Einsatzleiter sage. Und sie müssen davon überzeugt sein, dass ich nichts Unmögliches von ihnen verlange. Das geht nicht mit basta. © Limburg.de

One Response to Manchmal gibt es auch Applaus für die Feuerwehr · Uwe Zimmermann im Interview

  1. Mitglied A+E Abtlg. der noch aktiven PA-Träger, FF-Werschau says:

    Tschüß Uwe und danke dir für meine Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger vor vielen Jahren am Standort Limburg, für deine Überwachungen bei unseren jährlichen Streckendurchgängen und in den diversen mobilen Brandsimulationsanlagen. Genau das, was du in diesem Interview ansprichst, ist uns als freiwilligen Helfern/innen die Motivation an 365 Tagen im Jahr den Job, zum Wohle derer die unsere Hilfe benötigen, einfach zu tun.

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