Engpass bei der Bestäubung: Internationaler Tag der Biologischen Vielfalt: Schutz und Erhalt von Artenvielfalt sichert unsere Lebensgrundlage

Engpass bei der Bestäubung:  Internationaler Tag der Biologischen Vielfalt: Schutz und Erhalt von Artenvielfalt sichert unsere Lebensgrundlage 

Umweltministerin Priska Hinz: „Wilde Ecken im Garten oder bienenfreundliche Blumen auf dem Balkon: Wir können den weltweiten Verlust an Biodiversität gemeinsam aufhalten.“ 

„Ob frische Luft, Nahrung, sauberes Trinkwasser, fruchtbare Böden, natürliche Heilmittel oder Erholung im Grünen: Die Vielfalt der Lebensräume, der Tiere und Pflanzen sowie ihre genetische Ausstattung bilden unsere Lebensgrundlage. Zum Internationen Tag der Biologischen Vielfalt möchte ich daher alle Bürgerinnen und Bürger aufrufen, sie zu schützen und zu erhalten“, sagte Umweltministerin Priska Hinz anlässlich des Internationalen Tags der Biologischen Vielfalt am 22. Mai. „Blühstreifen, Renaturierung oder nachhaltige Waldbewirtschaftung:  Auch für die Landesregierung ist der Erhalt der Artenvielfalt eine der wichtigsten Aufgaben. Allerdings kann es nur gemeinsam mit allen gesellschaftlichen Gruppen gelingen. Mit wilden Ecken im Garten oder bienenfreundlichen Blumen auf dem Balkon kann jede und jeder einen Beitrag leisten“, ermunterte die Ministerin zum Mitmachen.

„Der weltweite Verlust an Biodiversität macht auch vor Hessen nicht halt: In den vergangenen 50 Jahren sind mehr Arten ausgestorben als je zuvor. Das hat große Auswirkungen auf die Ökosysteme“, so Hinz. Die Ursachen sind vielfältig: Durch breitflächige Versiegelung der Böden für Industrie, Haus- und Straßenbau, Zerschneidung von Lebensräumen, in denen sich Arten früher ungehindert entwickeln konnten, Eingriffe in den Wasserhaushalt, Eintrag von Schadstoffen oder Folgen des Klimawandels. „In den vergangenen 230 Jahren sind in Hessen mehr als 140 Pflanzenarten und zahlreiche Tierarten ausgestorben. Viele weitere Arten sind vom Aussterben bedroht“, sagte Hinz. „Auch Feldhamster, Laubfrosch und Rebhuhn sind in Gefahr. Die Brutbestände des schwarz-weiß gefiederten Kiebitz beispielsweise sanken in den vergangenen 30 Jahren um 85 Prozent.“ Da gerade Vögel besonders schnell auf sich ändernde Bedingungen reagieren, eignen sie sich als sogenannte Bioindikatoren: Der große Rückgang vieler Vogelarten zeigt, dass es um die Lebensbedingungen der Arten insgesamt nicht gut steht.

 

Engpass bei der Bestäubung

 

„Unsere Lebensqualität steht in direktem Zusammenhang mit der Vielzahl an Leistungen der Natur, die sie uns jeden Tag kostenlos zur Verfügung stellt“, betonte die Umweltministerin. „Diese als Ökosystemleistungen bezeichneten Güter und Leistungen der Natur stellen die Grundlage für das menschliche Wohlbefinden dar.“ Honigbienen, Wildbienen und andere Bestäuber sind beispielsweise unersetzliche Helfer bei der Produktion von Obst und Gemüse: Etwa 80 Prozent der Nutzpflanzen sind auf die Bestäubungsleistung der Insekten angewiesen. Die Vielfalt der Bienen und anderer Bestäuber ist jedoch in Gefahr: Insbesondere ab Mitte Juni, wenn der Raps verblüht ist, wird Futter für sie im Offenland mittlerweile oft rar. Besonders kritisch ist die Situation der Wildbienen. Von den etwa 420 Wildbienen-Arten in Hessen sind 43 Prozent bedroht. „Wir setzen uns ein für ein bienenfreundliches Hessen: Mit unserer hessenweiten Bienenkampagne stellen wir dabei nicht nur die Bestäuber in Mittelpunkt, sondern auch die vielen Möglichkeiten, die es für uns alle gibt, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken“, sagte Ministerin Hinz.

 

Bäume, Sträucher, Blumen und andere Pflanzen wiederum sind Sauerstofflieferanten. Ob im Wald, auf landwirtschaftlichen Flächen, in Parks, Gärten, auf Wiesen in den Kommunen oder im heimischen Hausgarten: Eine große Artenvielfalt und eine große genetische Vielfalt innerhalb der Arten ermöglicht es der Natur, sich auch an veränderte Bedingungen anzupassen – wie zum Beispiel einer höheren Luftverschmutzung an verkehrsreichen Straßen oder veränderten Temperaturen und stärkeren Niederschläge als Folge des Klimawandels. Während im Sommer 2015 beispielsweise im hessischen Spessart einige Birken aufgrund der Trockenheit ihre Blätter abwarfen, gab es Birken mit anderer genetischer Ausstattung, die weiter grün waren und Sauerstoff produzierten. „Wichtig ist, dass wir Menschen die Bedeutung der Biologischen Vielfalt für unser Wohlbefinden kennen und uns dafür einsetzen, sie zu fördern und zu erhalten“, sagte Hinz.

 

140 Aktionen in der Hessischen Biodiversitätsstrategie

 

Mit der Hessischen Biodiversitätsstrategie verfolgt das Hessische Umweltministerium das Ziel, gemeinsam mit allen übrigen Ministerien sowie Naturschützern, Landwirtinnen und Landwirten, engagierten Unternehmerinnen und Unternehmern sowie Bürgerinnen und Bürgern den Erhaltungszustand der Arten und die Vielfalt der Lebensräume in Hessen bis 2020 zu verbessern. „Mehr als die Hälfte der 120 Aktionen wurde bereits umgesetzt. Die meisten von ihnen müssen aber fortgeführt werden – etwa die Unterstützung für den Erhalt von Streuobstwiesen“, machte die Ministerin deutlich. Weitere 25 Prozent der Aktionen sind bereits in der Umsetzung. Dazu gehört die fundierte Biodiversitätsberatung für die Landwirtschaft sowie die Erarbeitung von Maßnahmenplänen für Schutzgebiete der Flora-Fauna-Habitat(FFH)-Richtlinie und weitere Artenhilfskonzepte für bedrohte Arten. Zur Förderung der Biologischen Vielfalt wurden 2015 die Mittel für Maßnahmen in den Natura 2000-Gebieten um 1,5 Millionen Euro erhöht. Darüber hinaus wurden die Mittel für die Umsetzung der Biodiversitätsstrategie auf 1,2 Millionen Euro jährlich erhöht und damit mehr als verdoppelt.

 

Biologische Vielfalt in Hessen:

Mitmachtipps für Bürgerinnen und Bürger

Bereits einfache Maßnahmen können dazu beitragen, Tiere und Pflanzen sowie ihre Lebensräume in Hessen zu fördern:

  • Heimische und insektenfreundliche Blütenpflanzen mit „ungefüllten Blüten“ auf dem Balkon oder im Garten als Nahrung für Bienen und Vögel anpflanzen.
  • Nistplätze für Bienen und Vögel im Garten und auf dem Balkon anlegen.
  • Eine „wilde Ecke“ im Balkonkasten oder im Garten, in der sich die Natur entwickeln darf, wie sie möchte, belassen.
  • Verwenden biologischer Mittel statt chemischer Pflanzenschutzmittel, da diese Insekten schaden können.
  • Auch ein wenig „Unordnung“ im Garten tut der Biologischen Vielfalt gut: aufgeschichtetes Laub und Reisig im Herbst und bis ins Frühjahr stehengelassene verblühte Stängel bieten Insekten, Igeln, Vögeln und anderen Kleintieren Lebens- und Nahrungsraum.

 

Weitere Tipps und Informationen liefert die Homepage der Hessischen Biodiversitätsstrategie unter www.biologischevielfalt.hessen.de und die neue Homepage der Kampagne „Bienenfreundliches Hessen“ unter www.bienen.hessen.de.

 

© Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

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