Engel in der Forensik · Aus zwei alten Brandschutztüren Kunstobjekte mit Engelmotiv geschaffen

Klinikseelsorgerin Ann-Marie Seidel-von Egidy zeigt Klinikdirektor Ralf Wolf (ganz links) und Prokurist Jörg Bühring (Mitte) eine Engelstür.

Engel in der Forensik · Aus zwei alten Brandschutztüren Kunstobjekte mit Engelmotiv geschaffen 

Hadamar, 29.5.2017 / Patienten der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Hadamar haben aus zwei alten Brandschutztüren Kunstobjekte mit Engelmotiv geschaffen. In einem feierlichen Gottesdienst wurden die Werke enthüllt.

Der Glaube an Engel eint viele Religionen. Die Gottesboten sind beliebte Begleiter und Weggefährten. Sie spenden Trost, geben Hoffnung, bewahren vor Gefahr und helfen – so die Vorstellung in zahlreichen Kulturen. Ein ideales Motiv für ein Kunstprojekt in der forensischen Klinik, fand Klinikseelsorgerin Ann-Marie Seidel-von Egidy. Die Inspiration dazu kam ihr, als sie einen Gottesdienst besuchte und ihr Blick lange auf einer Stahltür ruhte, die zu einem Engel umgestaltet war. Sie holte die Idee nach Hadamar und es gelang ihr, Patienten für ein solches Kunstprojekt zu begeistern.

Die Projektteilnehmer erarbeiteten verschiedene Entwürfe zu Engeltüren, auf zwei wurde sich gemeinsam verständigt. Nach alten Türen musste nicht lange gesucht werden. Sie fanden sich im ehemaligen Klinikgebäude, das nach dem Einzug in den Neubau abgerissen wurde. In den Werkstätten der Klinik wurde geschnitten, geschraubt und geschweißt. Mit dem handwerklichem Beistand der Mitarbeiter der Ergotherapie entstanden in einem halben Jahr zwei beeindruckende Objekte. Eines zeigt einen langhaarigen Engel in der Seitenansicht. Er trägt ein rotes, langes Kleid. Hinter ihm laufen goldgelbe Strahlen zu einen Zentrum zusammen, in dem ein Stern sitzt. Der Engel streckt seine Hand aus, er scheint einen der Strahlen zu streicheln. Auf dem Rücken trägt er imposante Flügel. Einer davon ist aufmontiert und kann so aufgeklappt werden, dass er weit über die Grenzen der Türe hinaus ragt.
Die zweite Arbeit zeigt eine von Licht umspielte Engelfigur. Geschnitten aus poliertem Stahl steht eine Engelsilhouette vor einem kreisrunden, beleuchteten Feld. Mit dem Licht im Rücken und den weit nach oben ausgebreiteten Flügeln scheint die Figur ihrem Betrachter entgegenzukommen. Auf der Rückseite der Türen stehen Gedichte. Sie drücken die Gedanken der Patienten zu ihren Entwürfen aus.

 

Engel für andere sein

Den Abschluss des Engelprojekts feierten Patienten, Gäste und Mitarbeiter zusammen in einem Gottesdienst. „Engel haben eine hohe Konjunktur“, so Seidel-von Egidy in ihrer Predigt. Der Wunsch der Menschen nach Geborgenheit, Sicherheit, Liebe und Schutz sei in einer Welt, die aus den Fugen zu geraten scheint, besonders groß. Jeder sehne sich danach, ohne „wenn und aber“ geliebt zu werden. Der Gedanke, dass jedem Menschen Engel zur Seite stehen, sei sehr tröstlich. Die Seelsorgerin zitierte den Theologen Wolfgang Huber: „Man erkennt einen Engel erst, wenn er vorbeigegegen ist.“ In diesem Sinne mögen die Engeltüren an ihrem zukünftigen Platz in der Klinik und in der Ägidienkirche dazu anregen, selbst ein Engel für einen anderen zu sein. Dieser Gedanke fand sich auch in der musikalischen Umrahmung des Patientenchores wider: „Wirst Du für mich – werd‘ ich für Dich der Engel sein?“ hieß es im Refrain eines der Lieder, die die Sänger unterstützt von Mitarbeitern gelungen darboten.

Nach dem Gottesdienst enthüllten die Patienten unter großem Applaus ihre Werke und verlasen die dazugehörigen Gedichte. „Das Projekt hat mir sehr geholfen, mein Vertrauen in meine Fähigkeiten zu stärken und mir Zuversicht gegeben, die Therapie erfolgreich durchlaufen zu können“, schilderte ein Patient eindrücklich seine Erfahrungen.

Klinikdirektor Ralf Wolf zeigte sich beeindruckt von den Leistungen und dankte Seidel-von Egidy für ihr Engagement. „Dieses Projekt ist ein Beispiel dafür, wie wichtig und förderlich Impulse von außen sind.“

Hintergrund

Im Auftrag des Landes Hessen übernimmt die Vitos Klinik für forensische Psychiatrie den Maßregelvollzug: Sie ist eine besonders gesicherte Spezialklinik, die die doppelte Aufgabe der medizinischen Behandlung und der Sicherung ihrer Patienten hat. In der forensischen Klinik werden suchtkranke und psychisch kranke Menschen behandelt, die straffällig geworden sind. Sie hat 162 Betten auf acht Stationen. © Vitos Klinik

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