Regierungserklärung „Neuer Blick aufs Alter – wir geben die passenden Antworten“·„Wir wollen alle Menschen von 60 bis über 100 erreichen und dafür brauchen wir einen neuen Blick auf diese Generation!“

Regierungserklärung „Neuer Blick aufs Alter – wir geben die passenden Antworten“

Familienminister Stefan Grüttner: „Wir wollen alle Menschen von 60 bis über 100 erreichen und dafür brauchen wir einen neuen Blick auf diese Generation!“

Wiesbaden. Anlässlich der Regierungserklärung „Neuer Blick aufs Alter – wir geben die passenden Antworten“ machte der Hessische Familienminister Stefan Grüttner am Dienstag im Plenum deutlich, dass „wir einen neuen Zugang zu unserer älteren Generation brauchen.“ Der Minister betonte: „Noch nie waren die älteren Menschen zwischen 60 bis über 100 unterschiedlicher in ihren Lebenslagen und Bedürfnissen. Die klassische Rentnergeneration gibt es heute nicht mehr. Vielmehr spannt sich der Bogen von aktiven, gesunden Menschen, die mitten im Leben stehen oder die das Ehrenamt suchen, über Menschen, die weiterhin arbeiten müssen, weil die Rente nicht reicht und es gibt viele, die unsere Hilfe und Unterstützung benötigen, weil sie krank oder möglicherweise pflegebedürftig sind. Auf alle diese Lebenswirklichkeiten gibt die Hessische Landesregierung schon viele und auch passgenaue Antworten. Und wir arbeiten daran, die älteren Menschen noch besser zu unterstützen und zu erreichen.“ 

Alters- und alternsgerechtes Arbeiten

Eine Lebenswirklichkeit ist, dass viele Menschen der älteren Generation aus freien Stücken gerne weiter arbeiten möchten, weil sie fit sind und sich auch mit über 60 unter dem Etikett „Senioren“ nur schwerlich wiederfinden würden. Und natürlich gibt es viele, die weiter arbeiten müssen. Deshalb ist es der Hessischen Landesregierung ein wichtiges Anliegen, den Ansprüchen und Bedürfnissen dieser älter werdenden Belegschaft Rechnung zu tragen. „Deshalb fördern wir gesundheitliche Prävention und schreiben Arbeitsschutz groß. Ob mit Informationen dazu, wie gerade die kleinen und mittleren Betriebe ihre Arbeitszeit klug gestalten können, die online zur Verfügung gestellt werden. Oder ob mit speziellen Informationen für das Handwerk, wo die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besonderen Belastungen ausgesetzt sind: wir geben den Betrieben Hilfestellungen“, stellte Grüttner dar. Darüber hinaus betonte er, wie wichtig diese Altersgruppe aber auch für die Fachkräftesicherung sowie den Wissenstransfer sei. Die älteren Menschen seien es, die sowohl wertvolle fachliche wie auch soziale Kompetenzen an die jüngeren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterreichen könnten.

 Ehrenamt und generationenübergreifendes Miteinander

Im Ehrenamt ist die ältere Generation traditionell sehr stark vertreten. Die aktiven älteren Menschen sind eine Stütze der Gesellschaft, indem sie gerade in generationenübergreifenden Projekten aktiv sind. Die Palette reicht von Nachbarschaftshilfen, Hausaufgabenhilfen, Entlastung berufstätiger Eltern, Einkaufshilfen bis hin zu so genannten „Leih-Omas“ und „Leih-Opas“. „Diese Menschen unterstützen wir und sprechen sie bspw. über die von uns entwickelten Freiwilligenagenturen an. Hier haben wir generationenübergreifende Initiativen und Hilfsangebote aufgesetzt und es sind tolle Projekte entstanden“, nannte Grüttner Beispiele. So könne man helfen, damit bspw. die junge Familie nicht mehr alleine auf sich gestellt sei, weil Ältere helfen oder der alte Mensch wird von Jüngeren bei Krankheit oder schlicht im Alltag beim Einkaufen unterstützt. „Das ist mir eine große Herzensangelegenheit: Ein neues und generationenübergreifendes Miteinander als Antwort auf eine zunehmendes Vereinzelung unserer Gesellschaft. Und ich bin stolz und froh, dass wir das in Hessen ganz konkret in 130 Familienzentren, die wir fördern, wie auch in 39 Mehrgenerationenhäusern ganz konkret und unmittelbar leben.“ Viele ältere Menschen beschäftigen sich übrigens heute viel früher mit der Frage, wie sie im Alter leben wollen. Hier seien mehrgenerationengeleitete Modelle zunehmend attraktiv und auch Alters-WGs, stellte Grüttner dar. Mit der Seniorenpolitischen Initiative (SPI) sei Hessen bereits in 2012 in einen ergebnisoffenen Prozess eingetreten. Hier seien aus Foren mit Fachleuten, Politik, Wirtschaft und vielen mehr, neue Handlungskonzepte entstanden. Die Ergebnisse sind breit gefächert. Es gibt eine umfassende Publikation zu gemeinschaftlichem Wohnen, die auch Themen wir Barrierefreiheit beleuchtet. Und der Wettbewerb „Aktion Generation – Lokale Familien stärken“ ist hier zu nennen. Aktuell werde auch im Rahmen des Projektes hat Familiensinn, erneut ergebnisoffen (analog zur SPI) diskutiert, was Familien brauchen, wie man sie noch besser unterstützen kann und natürlich spielten hier in den Foren die älteren Menschen und ihre Bedürfnisse wieder „eine große Rolle“, so Grüttner.

Hilfe bei Krankheit und Pflege

„Die Seniorenpolitische Initiative der Landesregierung war ein großer Erfolg, weil sie nicht einseitige Ergebnisse hervorgebracht hat, sondern die Handlungsempfehlungen die unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten der älteren Menschen in den Blick genommen haben. Daraus sind sehr konkret viele kleine und große Erfolgsgeschichten entstanden. Eine davon ist sicherlich die Charta zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf“, erklärte der Familienminister. Die Unterzeichner verpflichten sich dazu, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Angehörige pflegen, zu unterstützen und zu helfen, damit Brüche in den Erwerbsbiografien vermieden werden. Grüttner nannte die Entwicklung der Unterzeichner in Zahlen „beeindruckend“. „Wir sind in 2013 mit elf Organisationen bzw. Unternehmen gestartet. Heute sind es schon über 130, die unterzeichnet haben und dieses wichtige Thema unterstützen.“ Und im Rahmen der SPI unterstütze die Landesregierung auch das Thema Wohnen. Hier sei die Richtschnur „möglichst lange eine selbstständige Lebensführung zu ermöglichen“, so der Minister. Um pflegende Angehörige auch psychisch zu entlasten, unterstütze das Land wir seit vielen Jahren auch das ehrenamtliche Engagement in diesem Bereich. Mit 40.000 Euro jährlich werden  unter anderem Qualifizierungsmaßnahmen für ehrenamtliche Pflegebegleiter gefördert. Darüber hinaus zeichne das Land in jedem Jahr viele Menschen, die ihre Angehörigen für ihre große und aufopfernde Leistung mit der Hessischen Pflegemedaille aus. „ Das sind nur Ausschnitte aus unserem Engagement. Herausstellen möchte ich den Hessischen Pflegemonitor, der bundesweit so einmalig ist und allen in der Pflege Tätigen Hinweise zur Entwicklung für die Ausbildungsplanung und zur Arbeitsmarktlage sowie dem zukünftigen Bedarf an Fachkräften gibt. Das ist eine riesige Herausforderung und ich betone immer wieder, dass dies ein Beruf ist, der Zukunft hat. Durch die gemeinsamen Anstrengungen aller Ausbildungspartner konnte die Zahl der Auszubildenden in den Altenpflegeberufen in Hessen kontinuierlich gesteigert werden. Im Schuljahr 2015/2016 haben wir übrigens einen historischen Höchststand von 5.326 Auszubildenden erreicht.“

Zukunftsfeste, wohnortnahe medizinischen Versorgung – Rolle der Telemedizin

„Wir wissen, dass gerade ältere Menschen eine gute medizinische Versorgung benötigen, die für sie auch erreichbar ist. Die Herausforderungen, dies weiterhin sicherzustellen, packen wir in Hessen an, indem wir Projekte unterstützen, um Nachwuchsmediziner für die Allgemeinmedizin und den ländlichen Raum zu gewinnen. Die Aktivitäten in diesem Zusammenhang reichen von einer Niederlassungsförderung bis hin zur Entwicklung von sektorenübergreifenden regionalen Gesundheitszentren, die jungen Ärzten attraktive Arbeitsbedingungen auf dem Land bieten. Von diesen regionalen Gesundheitszentren profitieren auch und vor allem ältere Patienten, denn hier sollen künftig nicht nur Ärzte angesiedelt werden, sondern auch Apotheken, Physiotherapeuten und Pflegeeinrichtungen“, nannte Grüttner Maßnahmen der Landesregierung.

Daneben müsse man die Chance der Digitalisierung nutzen, die auch im Gesundheitswesen neue Handlungsspielräume eröffne. Bis Sommer werde deshalb die neue E-Health-Initiative auf den Weg gebracht. „Damit richten wir unseren Blick in die Zukunft. Es geht hier nicht darum, den persönlichen Kontakt zwischen Arzt und Patient durch Technik zu ersetzen oder wegzurationalisieren – dieser Kontakt wird auch in Zukunft möglich und nötig sein. Und hier möchte ich gerade bei den älteren Menschen dafür werben, die Chancen zu sehen. Wenn ein Allgemeinmediziner einen Spezialisten über einen Bildschirm hinzuschalten kann, so ist das ein unmittelbarer Wert für den Patienten. So kann schnell und kompetent eine Diagnose getroffen und der Allgemeinmediziner unterstützt werden“, so der Minister.

Ziel sei es, die hochwertige medizinische Versorgung, die in Hessen gegeben sei, weiter aufrechtzuerhalten und zu gewährleisten. Gerade im ländlichen Raum sei das besonders wichtig und hier könne und werde Telemedizin in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.

Grüttner betonte zusammenfassend, dass laut einer Gerling Studie die ältere Generation so aktiv und zufrieden wie nie zuvor sei. „Das nenne ich eine ermutigende Aussage auch an die Politik. Ich sage heute hier im Landtag zu, dass ich mich weiterhin so engagiert für die älteren Menschen einsetzen werde, wie in den vergangenen Jahren. Dabei liegt mir vor allen Dingen das generationenübergreifende Miteinander am Herzen, weil ich überzeugt bin, dass es viele Brücken bauen kann. Ein solches Miteinander ist eine Unterstützung und eine Erfahrung für alle Beteiligten und es ist in einer immer mehr auf Vereinzelung ausgerichteten Gesellschaft auch ein probates Mittel wieder hin zu mehr Gemeinschaft. Generationenübergreifendes Miteinander kann Lücken schließen, die die nicht mehr vorhandene Großfamilie hinterlassen hat.“

„Wir werden uns in der Hessischen Landesregierung weiterhin mit aller Kraft dafür einsetzen, dass wir uns um die vielfältigen Bedürfnisse dieser großen und heterogenen Gruppe zuverlässig kümmern. Denn eine zeitgemäße Politik muss alle von 60 bis über 100 in ihren unterschiedlichen Bedürfnissen erreichen. Das ist unser, das ist mein Anspruch und darauf werden sich die Menschen in Hessen verlassen können“, betonte der Familienminister abschließend.

© Hessisches Ministerium für Soziales und Integration

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