Die Pflege pflegt den Austausch: Fachtreffen Psychiatrie in Hadamar

Die Pflege pflegt den Austausch: Fachtreffen Psychiatrie in Hadamar

Hadamar, 21.06.2017 / Gewalt, Drogen und Intensivbetreuung – das dichte Programm des Fachpflegetreffens bei Vitos Weil-Lahn in Hadamar versprach keine einfachen Themen. „Umso wichtiger, dazu den Austausch zu suchen“, so Geschäftsführer Martin Engelhardt. „In jüngster Zeit schreitet die Akademisierung der Pflege voran und nicht nur vor diesen Hintergrund ist es sinnvoll und folgerichtig, Veranstaltungen zum Wissenstransfer zu etablieren.“ Auch Klinikmanager und Pflegedirektor Stefan Boy schilderte in seiner Begrüßung, dass die gewählten Themen für die Pflege in der Psychiatrie von großer Bedeutung seien. Es gelte, sowohl zum Nutzen der Patienten als auch der Mitarbeiter, sich darüber auszutauschen und Netzwerke zu schaffen. Diesen Gedanken teilten offensichtliche viele Kollegen. Aus ganz Deutschland folgten fast hundert Pflegende Mitte Juni der Einladung zu dem Treffen.

Bequem, billig und oft legal

Bringen neue Drogen neue Probleme? Diese Frage beantwortete Dirk Grimm der Münchener Initiative „mindzone“ in einem lebhaften Vortrag. Der Sozialpädagoge engagiert sich seit vielen Jahren im Bereich „Partydrogen“. Der Ansatz des Projektes sei, den Substanzkonsum nicht zu bewerten, sondern die Nutzer aufzuklären, um die Schäden möglichst gering zu halten. Dies gelinge mit dem Peer-to-Peer Konzept. Die Aufklärung über neue psychoaktive Substanzen erfolgt hier durch nahestehende Personen, die zum Partyumfeld gehören, wie beispielweise DJs. Eindrücklich berichtete Grimm von einer unüberschaubaren Vielzahl an Substanzen, die über den Internethandel zu bekommen seien. Bequem, billig und oft legal – so seine erschreckende Feststellung. Durch eine verharmlosende Darstellung sowie falsch oder gar nicht angegebener Inhaltsstoffe wiegen sich die Konsumenten in falscher Sicherheit. So mancher Nutzer, der einfach nur seiner guten Laune etwas nachhelfen wolle, lande bei einer entzugsbedürftigen Opiat-Abhängigkeit. Der Gesetzgeber jage den Anbietern in einer Art Katz- und Maus-Spiel hinterher. Würde eine Substanzgruppe verboten, reiche eine kleine chemische Variation, und die neue Droge falle nicht mehr unter die illegale Gruppe. „Die beste Prävention“, plädierte Grimm mit Nachdruck, „ist die Aufklärung“.

Umgang mit Aggression und Gewalt

Claus Staudter vom Zentralinstitut für seelische Gesundheit Mannheim berichtete mit Sven Keitel (Krankenpflegedirektor bei Vitos Kurhessen) vom Deeskalationsprogramm Outcome. Aggression und Gewalt kämen im Kontext psychiatrischer Behandlung immer häufiger vor, so Staudter. Man dürfe aber keinesfalls in die Falle tappen, warnte Staudter, grundsätzlich psychiatrische Erkrankungen mit Gewaltbereitschaft in Verbindung zu bringen.

Der zunehmenden Gewalt begegne man mit einem am Zentralinstitut entwickelten Deeskalationsprogramm. Mitarbeiter werden zum Deeskalationstrainer ausgebildet und engmaschig nachgeschult. Keitel und Staudter schilderten, wie die Wirksamkeit des Programms überprüft wurde und welche positiven Resultate die engmaschige Nachschulung brachte. Die Einstellung der Mitarbeiter zu Zwangsmaßnahmen veränderte sich, andere Maßnahmen wurden zur Gewalteindämmung ergriffen, die Sicherheit im Umgang mit Aggressionen verbesserte sich und grundsätzlich waren weniger Interventionen nötig. Geplant ist perspektivisch eine Patientenbefragung.

Intensivbetreuung in der Schweiz

Einen Einblick über den nationalen Tellerrand hinaus gewährte Dr. Franziska Rabenschlag. Die Pflegewissenschaftlerin von den Universitären Psychiatrischen Kliniken in Basel referierte zur Intensivbetreuung. In der Schweiz gäbe es häufig eine Eins-zu-eins-Betreuung, wenn sie wegen großer Unruhe, Suizidalität oder Aggressivität des Patienten angezeigt sei. Rabenschlag beschrieb die Intensivbetreuung als Spannungsfeld zwischen Therapie und kontrollierender Überwachung. Die Art und Weise der Durchführung sei aber in der Schweiz kaum regelt und daher sehr uneinheitlich. Um den unguten Zustand zu verbessern, erarbeitet die Wissenschaftlerin derzeit gemeinsam mit Kollegen verbindliche Leitlinien. In diese fließen Ergebnisse der Untersuchung von Rabenschlag ein, die sowohl die Patienten- als auch Mitarbeiterperspektive berücksichtigen.  © Vitos Weil-Lahn gemeinnützige GmbH

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