Arbeitnehmerrecht bei Hitze  Wie heiß darf es am Arbeitsplatz sein?

Arbeitnehmerrecht bei Hitze  Wie heiß darf es am Arbeitsplatz sein?

Gießen. Kann der Arbeitgeber verlangen, dass bei hochsommerlichen Temperaturen die Arbeit einfach „normal“ weiterläuft? Maßgeblich zur Beantwortung dieser Frage ist hier die tatsächliche Lufttemperatur im Raum. Diese wird übrigens bei sitzenden Tätigkeiten in einer Höhe von 60 Zentimetern und bei stehenden Tätigkeiten in einer Höhe von 110 Zentimetern über dem Fußboden gemessen.

„Einschlägige Vorschrift ist die Arbeitsstättenverordnung. Diese schreibt vor, dass Arbeitsräume eine gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur haben müssen. Dafür hat der Arbeitgeber zu sorgen. Denn es ist erwiesen, dass mit der Temperatur die körperliche Beanspruchung und die Unfallgefahr steigen, während Konzentration und Leistungsfähigkeit abnehmen. Durch die Hitze entsteht eine zusätzliche Gefährdung für die Beschäftigten. Dementsprechend muss der Arbeitgeber – wie bei allen Gefährdungen bei der Arbeit – eine Beurteilung vornehmen, um letztlich geeignete Schutzmaßnahmen ergreifen zu können“, so der Arbeitsschutzexperte Holger Lehnhardt beim zuständigen Regierungspräsidium Gießen.

Um diese Gefährdungsbeurteilung durchführen zu können, muss sich der Arbeitgeber an der Arbeitsstättenregel „Raumtemperatur“ orientieren. Diese konkretisiert die Arbeitsstättenverordnung. Dabei bedient sie sich einer beispielhaften Aufzählung von Maßnahmen, welche die Beanspruchung der Beschäftigten reduzieren können. Dazu gehört eine effektive Steuerung des Sonnenschutzes, wie etwa die Jalousien auch nach der Arbeitszeit geschlossen zu halten, die Reduzierung der inneren thermischen Lasten (z.B. elektrische Geräte nur bei Bedarf betreiben), das Lüften in den frühen Morgenstunden, die Nutzung von Gleitzeitregelungen zur Arbeitszeitverlagerung, die Lockerung der Bekleidungsregelungen oder das Bereitstellen von Getränken.

Bei Außenlufttemperaturen von über 26 °C greift ein Stufenmodell, das den Arbeitgeber in die Pflicht nimmt. In Abhängigkeit von der Lufttemperatur im Raum ist folgendes vom Arbeitgeber gegen übermäßige Hitze in Arbeitsräumen zu veranlassen:

Tabelle der erforderlichen Maßnahmen (Anlage)

Bei der Auswahl der Maßnahmen gilt das sogenannte TOP-Prinzip: Erst technische Maßnahmen ausreizen, dann organisatorische Maßnahmen ergreifen und erst zuletzt personenbezogene Maßnahmen treffen.

Erfüllt der Arbeitgeber die genannten Verpflichtungen oder sorgt er auf andere Weise für gleichwertige Sicherheit und gleichwertigen Gesundheitsschutz, ist das Arbeiten auch bei hohen Temperaturen weiterhin zulässig. Das Bereitstellen einer Klimaanlage gehört übrigens nicht zu den Maßnahmen, die der Arbeitgeber kurzfristig ergreifen muss. Da in hiesigen Breitengraden im Sommer meist nur wenige extrem heiße Tage auftreten, sieht der Gesetzgeber hierfür die Verhältnismäßigkeit nicht gewahrt.

Eine Maßnahme, die Beschäftigte selbst treffen sollten, ist: „Viel trinken!“ Während der Flüssigkeitsbedarf an normalen Tagen etwa zwei Liter beträgt, kann es bei Arbeiten im Hochsommer durchaus notwendig sein, mehr als das Doppelte zu trinken. Wichtig ist, rechtzeitig vor dem Durst zu trinken und die Menge gleichmäßig über den Tag zu verteilen. Kühle (nicht eiskalte) Flüssigkeiten löschen den Durst am besten. Besonders geeignete sind zum Beispiel Mineralwasser mit wenig Kohlensäure, isotonische Getränke, Kräuter- und Früchtetees sowie verdünnte Fruchtsäfte. Sie ersetzen neben dem Wasser auch die durch das Schwitzen verloren gegangenen Elektrolyte und Mineralstoffe. © RP-Gießen

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