Zugangszahlen Spätaussiedler weiterhin auf niedrigem Niveau stabil · Landesbeauftragte Ziegler-Raschdorf: Die aktuellen Zahlen belegen unveränderte Notwendigkeit der Aufnahme von Spätaussiedlern 

Zugangszahlen Spätaussiedler weiterhin auf niedrigem Niveau stabil · Landesbeauftragte Ziegler-Raschdorf: Die aktuellen Zahlen belegen unveränderte Notwendigkeit der Aufnahme von Spätaussiedlern 

 Wiesbaden. Mit der Wendezeit Ende der 1980er Jahre kamen zahlreiche Spätaussiedler aus Ost- und Südosteuropa sowie den zentralasiatischen Gebieten der früheren Sowjetunion in die Bundesrepublik Deutschland. Alleine im Jahr 1990 waren es fast 400.000 Deutschstämmige, die hierher übersiedelten.   Seit der Jahrtausendwende gingen die Zahlen jedoch kontinuierlich zurück. Wurden im Jahr 2000 noch 95.615 Menschen gezählt, reduzierte sich der Zuzug bis Mitte des Jahrzehnts deutlich. 2012 war mit 1.817 Einreisenden die Talsohle erreicht. Die zehnte Novellierung des Bundesvertriebenengesetzes vom 6. September 2013, für die sich auch die Hessische Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Margarete Ziegler-Raschdorf, in besonderer Weise eingesetzt hat, brachte zahlreiche Zuzugserleichterungen vor allem hinsichtlich der Familienzusammenführung. „So sind beispielsweise die Sprachprüfungen bei Minderjährigen ebenso weggefallen wie die Notwendigkeit der gemeinsamen und gleichzeitigen Ausreise von Familien. Auch werden nunmehr deutsche Sprachkenntnisse anerkannt, die nicht ausschließlich familiär vermittelt, sondern auf andere Weise angeeignet wurden“, fasst Ziegler-Raschdorf die Änderungen zusammen. Dies führte zu einem erneuten Anstieg der beim Bundesverwaltungsamt eingegangenen Anträge, in die Bundesrepublik überzusiedeln. Wurden dort im Jahr 2013 10.963 Anträge eingereicht, waren es 2014 bereits 30.009. Die Einreisezahlen stiegen von 2.427 Personen in 2013 auf 5.649 im Folgejahr. Im Jahr 2015 kamen dann bereits 6.118 Spätaussiedler in die Bundesrepublik und 2016 stieg die Zahl noch einmal auf 6.588 Personen, von denen 482 Hessen zugeteilt wurden. Vorrangig kommen die Einreisenden aus der ehemaligen UdSSR. 2016 galt dies für 6.572 von 6.588 registrierten Spätaussiedlern. Lediglich 9 Personen stammten aus Polen und 7 aus Rumänien. „In diesem Jahr sind bis Stand Mai 2.125 Spätaussiedler in die Bundesrepublik Deutschland eingereist. Wir können wohl davon ausgehen, dass das bisherige Niveau im Wesentlichen beibehalten wird. Die seit 2013 angestiegenen Fallzahlen sind das Ergebnis aufgestauter Familienzusammenführungen. Wie Erfahrungen mit anderen deutschen Minderheiten beispielsweise in Oberschlesien und Siebenbürgen zeigen, ist das Gros der geschätzt noch rund 700.000 Deutschstämmigen in den Nachfolgestaaten der früheren UdSSR kaum mehr als ausreisewillig zu vermuten“, so die Landesbeauftragte. Dafür spreche auch die abnehmende Zahl der Anträge. Nach einem vorläufigen Höhepunkt 2014 mit 30.009 Anträgen gingen diese im Jahr darauf deutlich auf 18.011 zurück. 2016 gingen noch 13.677 ein, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sind bis Juli 2017 die Anträge um knapp 500 gestiegen auf aktuell 7.067. Für 2017 insgesamt werden gegenwärtig die Zahlen von 2016, d. h. in etwa 14.000 Anträge erwartet.

Hessen unternehme sehr viel, um den Spätaussiedlern die Eingliederung zu erleichtern. „Unser Land hat einen ganz besonderen Bezug zu ihnen, da ein Großteil der im 18. Jahrhundert nach Russland ausgewanderten Menschen aus Hessen stammte“, erklärt die Landesbeauftragte. Deswegen habe das Land 1985 auch die Patenschaft über die Wolgadeutschen übernommen. Insbesondere seit 1999 gibt es in Hessen eine umfangreiche Integrationsförderung für Spätaussiedler, die sich hervorragend bewährt hat. Auch im aktuellen schwarz-grünen Koalitionsvertrag wurde explizit die Fortsetzung und Verstärkung der Integrationsmaßnahmen für jugendliche Spätaussiedler festgeschrieben. Die Hessische Landesregierung arbeitet hierbei eng mit der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (LMDR) sowie der Deutschen Jugend aus Russland (DJR) zusammen und unterstützt gezielt deren Projekte. So konnten beispielsweise durch die Multiplikatoren-Projekte der LMDR und der DJR mehrere hundert ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gewonnen werden, die den Integrationsprozess der neu zugereisten Spätaussiedler wirksam begleitet und unterstützt haben. Seit Frühjahr 2017 ist aktuell das auf den drei Säulen Jugend-, Senioren- und Familienbildung beruhende Integrationsprojekt „Fit für Deutschland“ angelaufen. „Die zahlreichen Maßnahmen tragen Früchte: Der Großteil der zugewanderten Spätaussiedler ist gut integriert, hat sich auch im Arbeitsmarkt etabliert. Dennoch werden wir in unseren Bemühungen, um eine erfolgreiche Eingliederung auch künftig nicht nachlassen, wobei wir einen neuen und weiteren besonderen Schwerpunkt in den Bereichen gesellschaftliche und politische Bildung und Teilhabe setzen wollen“, versichert Margarete Ziegler-Raschdorf abschließend.

© Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler

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